Mortwa Holčka – Ermordetes Mädchen

Es geschah anno 1660, zwölf Jahre nach Ende des 30-jährigen Krieges. Marie, die einzige Tochter des Dorfschulzen und Gastwirtes Jakub Scholze aus dem sorbischen Cunnewitz, machte sich mit einem anderen Mädchen auf den Weg in Richtung Kotten. Dort sollte sie als eine der Taufpatinnen (sorb. Druschkas) seinen Amts- und Namensvetter Matthias Scholze zur Taufe des ersten Kindes in die Kirche nach Wittichenau begleiten. Prächtig in sorbischer Tracht mit Gold an der Brust und in den Haaren herausgeschmückt, hatten sie die Dorfbewohner noch vor wenigen Augenblicken in der Schänke des Vaters bewundert.

Dorfstraße Kotten

Kapelle Cunnewitz

Schnell war dabei die Zeit verflogen, deshalb mussten sich die Mädchen jetzt beeilen. Nachdem sie jedoch merkten, dass ihnen das Wichtigste, nämlich das Taufgeschenk, fehlte, rannte die Begleiterin rasch zurück, um es zu holen. Marie indes lief allein weiter – nichtsahnend ihrem Tod entgegen. Minuten später brachte sie ein gewissenloser Schurke brutal um. Nur auf ihren Schmuck hatte er es abgesehen, mit dem er alsbald auf Nimmerwiedersehen verschwand. Gefasst wurde er nie. Erst in der Sterbestunde hat er den Mord gestanden. Vielleicht gedachte er, dadurch seine Seele vor ewigen Höllenqualen zu bewahren. Ob ihm das gelungen ist, darf bezweifelt werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete der Lehrer und Pfarrer Johann Scholze an der Stelle des Mordes eine Gedenksäule. Noch heute pflegen sie die Dorfbewohner mit Hingabe. Sie nennen sie „Mortwa Holčka – Ermordetes Mädchen“.

Die ganze Geschichte können Sie im neuen Buch „Der Tiger von Sabrodt“ aus der Reihe „Auf historischen Pfaden“ lesen. Spannend und emotional bewegend geschrieben, vermitteln die Erzählungen ein anschauliches Bild vom Leben in der früheren Oberlausitz. Bei eingefleischten Heimatfreunden sollte das Buch deshalb im Regal nicht fehlen. Sie erhalten es in allen Buchhandlungen sowie im Internet bei: