Gemauerte Mühle Bellwitz

Aufregende Geschichte hautnah erleben

Nördlich der Stadt Löbau erstreckt sich über rund 1,5 Kilometer die Georgewitzer Skala. Das Löbauer Wasser hat sich hier ein wildromantisches Tal gegraben, an dessen Ende man auf einer weiten Lichtung über eine Brücke linkerhand zur Gemauerten Mühle gelangt. So unscheinbar, wie das Anwesen auf den ersten Blick ausschaut, ist es keineswegs. An diesem Ort verbirgt sich ein Stück europäischer und oberlausitzer Geschichte.

Strada Antiqua Lusatiae – die Straße der Oberlausitz

König Heinrich I.

Geschichtsträchtig wie das Gehöft ist, gehen seine Anfänge bis ins frühe 10. Jahrhundert zurück. Nachdem nämlich der ostfränkische König Heinrich I. (der Vogler) anno 928 den östlich der Elbe siedelnden slawischen Stamm der Milzener tributpflichtig gemacht hatte, ließ er in ihr Gebiet hinein eine Straße bauen. Sie begann an seiner Burg Meißen, verlief über den heutigen Bischofsweg in Dresden, über Stolpen, Göda und Doberschau. Durch dicht bewaldetes Terrain führte er am heutigen Bautzen vorbei nach Niethen bis Breitendorf. Richtung Osten folgte er immer der aufgehenden Sonne, weiter nach Munschke, Kittlitz, Zoblitz, am Rotstein bei Sohland vorbei über Jauernick, Radmeritz (Radomierzyce), Schönberg (Sulików) bis nach Seidenberg (Zawidów), wo er endete.

Ein Burgwall – zu Königs Schutz und Nutz

Burgwall im Skalatal, Gemälde Michael Franke

Über lange Zeit war diese Straße die Einzige, die durch die jetzige Oberlausitz führte. Erst später, mit der deutschen Ostbesiedlung im 12. Jahrhundert, kamen weitere Verbindungen hinzu, wie beispielsweise die königliche Via Regia. Was aber hat nun die Gemauerte Mühle mit der vorgenannten Strada Antiqua Lusatiae zu tun? Ganz einfach: An ihr, zwischen Kttlitz und Zoblitz gelegen, befand sich einer der zahlreich (Forscher schätzen 12 bis 20) vorhandenen Burgwälle. Wenn man will eine Zwingburg, denn sie war zur militärischen Sicherung königlicher Interessen, wie auch als Ort zu leistender Abgaben (Steuern) gedacht. Heute ist von dieser hölzernen Anlage lediglich ein hoher Wall geblieben. Neben ihm entstand später eine Wassermühle.

Erst Müller, dann Räuber

Infotafel über Eingangstür

Wann genau, ist nicht mehr herauszubekommen. Wahrscheinlich war es Mitte des 13. Jahrhunderts, als ein Müller an dieser Stelle seine Arbeit aufnahm. Der Ort erschien ihm offenbar ideal, denn an der Furt herrschte stets reger Betrieb. Die erstmals vorgefundene schriftliche Erwähnung der Besitzer trägt das Datum 17. September 1625. Aus dem Dokument geht hervor, dass Siegmund von Belbitz (heute Bellwitz) die Mittraks Mühle, wie sie damals offenbar hieß, an Peter von Gersdorf auf Radmeritz und Malschwitz verkauft hat. Über weitere Eigentümer ist erst ab 1806 wieder etwas zu vernehmen. Von einem Johann Gottlob Eye erfährt man aus diesem Jahr, dass sein Mühlenbetrieb wahrscheinlich nicht genug abwarf und er sich deshalb auf die Räuberei verlegte. Beim Überfall auf die Mühle im Höllengrund bei Großschweidnitz wurde er gefasst, im Kretscham Dürhennersdorf infolgedessen abgeurteilt und aufgehangen. Danach muss die Gemauerte Mühle einige Zeit leer gestanden haben. 1819 brannte sie ab und Johann Bartusch baute sie wieder auf. So jedenfalls steht es auf einer steinernen Tafel über der Eingangstür zur Gaststätte.

Vom Emilstuhl in die Gemauerte Mühle

Emilstuhl

Apropos Gaststätte: 1880 kaufte ein gewisser Kühlmorgen aus Löbau das Anwesen. Er tat das in einer Zeit, in der die Menschen in zunehmendem Maße ihre Freizeit entdeckten und an Wochenenden viel spazieren gingen. Bestens bot sich dafür die Georgewitzer Skala an. Am Ausgang dieser ragt an der Westseite des Löbauer Wassers der sogenannte Emilstuhl aus der Landschaft. Ein Felsen, von dem Besucher einen guten Fernblick hatten. Da die Löbauer den Aussichtspunkt gern bestiegen, lag nichts näher, als aus der benachbart gelegenen Mühle eine Restauration zu machen. Diese lief nach einer Weile derart gut, dass im Jahre 1900 nicht irgendwer, sondern der verdiente 1871er Kriegsveteran Herman Rebner den Zuschlag zum Kauf bekam. 1920 baute dessen Sohn eine Veranda an, rekonstruierte das Wasserrad und versorgte so das Gebäude Strom. Sogar zum Sanatorium wollte er die Mühle umbauen. Dazu allerdings reichte das Geld dann doch nicht mehr. Später führte Johanne Liebelt die Gaststätte weiter, bis sie nach dem Krieg für einige Zeit wieder leer stand. Danach sanierte Bernd Engelmann 1982 das Ausflugslokal mit seiner Partnerin Elfriede Thomas. Mangels Rentabilität musste er es aber im Jahre 2005 für den Dauerbetrieb schließen.

Ein Platz – historisch und heute noch lebendig

Biwak bei der Gemauerten Mühle, Gemälde Michael Franke

Die Berechtigung zu sagen: „Wir befinden uns hier auf historischem Boden“, erlangte die Furt an der Gemauerten Mühle während der Napoleonzeit Anfang September 1813. Reichlich einen Monat vor der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig tobten in der Oberlausitz harte Gefechte. Am 4. September 1813 war die Lage so, dass sich die Preußen unter Marschall Blücher gegen die von Westen anrennenden französischen Scharen Richtung Osten zurückzogen. Um das Löbauer Wasser schnell überwinden zu können, hatte der Feldmarschall an dieser Stelle 3 Feldbrücken errichten lassen. Unmittelbar auf der riesigen Wiese dahinter hielt er vom 4. zum 5. September ein Biwak ab. Damit er das tun konnte, musste er sich die Franzosen vom Leibe halten. Major Johann August Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen hatte deshalb mit seinem Bataillon am 4. September die Aufgabe, die französische Streitmacht so lange wie möglich am Wohlaer Berg aufzuhalten. Ab 6 Uhr abends verteidigten dessen Soldaten 3 Stunden lang den Berg gegen einen übermächtigen Feind. Napoleon selbst ritt zu den Einheiten, um deren Angriffshandlungen persönlich zu leiten, doch vergebens! Mit Einbruch der Dunkelheit stellten sie ihren Angriff ein. Nach erfüllter Mission zog sich Major Hiller im Schutz der Nacht zurück und setzte bei der Gemauerten Mühle ebenfalls über. Wütend ritt Napoleon am nächsten Tag auf den Wohlaer Berg, um nachzusehen, wie dessen Verteidigung so lange Zeit möglich war. Danach besuchte er seine Soldaten im Lazarett Spittel und machte eine Pause im Kantorat der Kittlitzer Pfarrei.

Museum Außenanlage

Die Geschichte jener Zeit sowie speziell dieses Ortes zu bewahren, hat sich der ehemalige Wirt der Gemauerten Mühle, Bernd Engelmann, zur Aufgabe gemacht. Nicht allein, dass er das Gasthaus so gut wie möglich in Schuss hält, gerade ist er dabei, im Haus nebenan ein kleines Museum einzurichten. Bald wird es fertig und für Besucher zugänglich sein. Wer nicht warten will, kann Bernd Engelmann, sollte er ihn zufällig antreffen, gern jetzt schon mit Fragen löchern. Überlegen Sie also nicht lange und kommen einfach mal an der Gemauerten Mühle in Bellwitz vorbei. Hier gibt es jede Menge interessanter Dinge zu sehen – es lohnt sich!

Museum innen

Kunst und Historie

Die Bronzeplastiken im Hof der Gemauerten Mühle stammen aus der Hand von Ladislav Hlina. Der 1947 in der Tschechoslowakei geborene Bildhauer studierte an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln und ist heute als freischaffender Künstler tätig. Seine Plastiken erreichen einen stetig wachsenden Freundeskreis und finden in der ganzen Welt regen Absatz.

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Gemauerte Mühle Bellwitz – das Video