Die Postdistanzsäule am Neumarkt Löbau

Ein Musterbeispiel sächsischer Traditionspflege und Handwerkskunst

Die Löbauer haben lange darauf gewartet. Erst musste die Säule für den Bau eines Kreisverkehrs Platz machen, nun steht sie sicher und abseits vom Verkehr am Rande des Neumarktes. Hell erstrahlt sie in neuer Pracht, denn die Stadt hat sie von Grund auf sanieren lassen und uns damit ein Stück sächsischer Postgeschichte zurückgegeben.

Als vor 300 Jahren Sachsen vermessen wurde

Kursächsische Postsäulen 1747

Insgesamt besitzt Löbau drei Postdistanzsäulen. Damit ist die Stadt Spitzenreiter in der Oberlausitz und auch sachsenweit steht sie in dieser Hinsicht an vorderster Stelle. Nur Freiberg zieht mit drei solcher Denkmäler gleich.
Wie ist es dazu gekommen?
Im Jahre 1713 beauftragte der sächsische Kurfürst August der Starke den in geografischen Fragen bewanderten Skassaer Pfarrer Adam Friedrich Zürner, das Land zu vermessen. Er legte ein einheitliches Meilenmaß fest und ließ auf dieser Grundlage an wichtigen Post- und Handelsstraßen Säulen aufstellen. Die Städte hatten vor ihren Toren zusätzlich Postdistanzsäulen zu errichten. Darauf entstand ein Riesenstreit, weil die jeweiligen Räte die Stelen selbst bezahlen sollten. Nicht jede Kommune beugte sich dem Willen des Kurfürsten. Es gab Kompromisse, nur Löbau machte offenbar keine. Die Stadt ließ vor allen Toren, also dem Zittauer-, dem Bautzener- sowie dem Görlitzer Tor, eine solche Distanzsäule aufstellen. Zum Glück sind sie bis heute erhalten.

Zeit oder Entfernung – das ist die Frage

Die Straßen ließ Zürner mit Kutschen vermessen, an denen ein Zählwerk angebracht war. Die Hinterräder hatten den Umfang einer Dresdner Rute, das sind heute 4,531 Meter. Nach jeweils 1.000 Umdrehungen, so hatte es der Kurfürst festgelegt, war eine sogenannte Wegestunde erreicht und bei 2.000 eine kursächsische Meile.

Das ergibt nach jetzigen Maßstäben:

1.000 x 4,531 m = 4531 m = 4,531 km = eine Wegestunde und
2.000 x 4,531 m = 9062 m = 9,062 km = eine kursächsische Meile

Die Strecken sind mit 1/8 Genauigkeit in(Wege)Stunden auf den Schäften der Postdistanzsäulen eingraviert. Wie wir sehen, handelt es sich nicht um eine Zeit- sondern eine exakte Entfernungsangabe. Ob gewollt oder nicht, entspricht sie ungeachtet dessen der Durchschnittsgeschwindigkeit eines damaligen Fuhrwerkes.

Ein Blickfang am Ausgang der Inneren Bautzener Straße

Wiederaufbau der Postdistanzsäule am Neumarkt

Die Löbauer Postdistanzsäulen bestanden ursprünglich aus Waltersdorfer Sandstein. Angefertigt vom Zittauer Steinmetzmeister Gottlob Friedrich Engler und dem Zittauer Bildhauer Christian Gottlob Kretschmar, sind sie 1724/25 entstanden. Die Stadt hat die Säulen aber wahrscheinlich erst im Jahr 1729 aufgestellt. Lange sollte ihr Dasein allerdings nicht währen, denn nach Kürzung der Meile auf umgerechnet 7,5 Kilometer, vermaß das Königreich zwischen 1859 und 1865 das Land erneut. Die Postsäulen wurden hinfällig und Löbau hat sie entfernt – teilweise eingelagert bzw. umgesetzt. Völlig verschwunden war die Distanzsäule am Neumarkt, bis jemand 1953 das alte Wappenteil auf dem Grundstück Poststraße 5 wiederentdeckte. Daraufhin ließ die Arbeitsgemeinschaft Philatelie des Kulturbundes Löbau die Säule restaurieren und 1957 auf dem Bautzener Platz wieder aufstellen. Im Jahre 1971 nahm der Löbauer Malermeister Rimpel noch eine farbliche Auffrischung vor, dann verwitterte das gute Stück zusehends. Erst 2018, im Zusammenhang mit dem Bau des Kreisverkehrs am Neumarkt, gab die Stadt die Postdistanzsäule in die Hände der Firma Hain Steinrestaurierung zur Generalüberholung. Am Ausgang der Inneren Bautzener Straße ist sie mit ihrem fast 300 Jahre alten Originalwappen jetzt wieder ein Blickfang.

 

Vielen Dank der Firma
Hain Steinrestaurierung Meißen

Postdistanzsäule vor der Sanierung
Postdistanzsäule nach der Sanierung
Wappenstück alt
Wappenstück saniert