Königliche und geistliche Straßen der Oberlausitz

Lateinisch weist der Begriff  Via auf Straßen hin. Straßen, die verbinden, gleichzeitig aber jede Menge Geschichte(n) erzählen. Während die Seite ViaOla diese mit Worten und Bildern schildert, bieten Via Regia und Via Sacra handfeste touristische Highlights an. Sie tun das über Ländergrenzen, sodass Via mit Recht auch als europäische Aussicht zu verstehen ist.

Via Regia – die Königliche

Via Regia bedeutet so viel wie königliche Straße. Derartige Straßen unterstanden dem König und ihre Benutzung kostete Geld. Dafür waren die Wege gut ausgebaut und boten ein gewisses Maß an Schutz. Die bekannteste Königsstraße verlief vom Rhein bis nach Schlesien. Als Route ging sie weiter östlich nach Kiew sowie im Westen bis Santiago de Compostela. In einer Urkunde erwähnt sie Markgraf Heinrich von Meißen 1252 zum ersten Mal. Doch bereits im 14. Jahrhundert verlor die königliche Zentralgewalt an Bedeutung und die Obhut über die Via Regia ging abschnittsweise in regionale Fürstenhände. Danach vielfach Hohe Straße genannt, profitierten in der Oberlausitz besonders die Städte Königsbrück, Kamenz, Bautzen, Görlitz und Lauban von ihr. Heute existiert die Trasse als durchgehende Verbindung nicht mehr. Rudimentär geht sie über Autobahnen, Straßen und Feldwege. Nichtsdestotrotz halten wir an ihr fest, denn sie ist länderübergreifend unser Erbe. Mitten in Görlitz/Zgorzelec verbindet die „Königliche“ via Altstadtbrücke Polen mit Deutschland und stellt somit ein Wahrzeichen europäischer Einheit dar. 

Via Sacra – die Geistliche

 Im Gegensatz zur Via Regia ist die Via Sacra eine Schöpfung aus heutiger Zeit. Ihre Bezeichnung weist deutlich darauf hin: Es handelt sich thematisch um eine kirchlich geprägte Tour. Sie wird von der EU gefördert. Maßgebend beteiligt am Aufbau war der ehemalige Direktor der Städtischen Museen Zittau, Dr. Volker Dudeck. Er und die anderen Initiatoren hatten sich vorgenommen, hier im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien grenzüberschreitende touristische Angebote religiöser Art zu schaffen. Wie jeder erkennen kann, ist ihnen das sehr gut gelungen. Derzeit sind es 16 Stationen, die mit sakralen und anderen kulturhistorisch wertvollen Denkmälern auf ihre Besucher warten. Darunter in der Oberlausitz die Zittauer Fastentücher sowie die Burg- und Klosteranlage Oybin, die Friedenskirche zum Heiligen Geist im polnischen Jawor oder das Johanniterkloster in Český Dub. Diese und andere Stationen zeugen in einzigartiger Weise vom Miteinander der Nationalitäten in Deutschland, Böhmen und Schlesien. Und wer entlang der Tour übernachten möchte, ist in den Gästehäusern der Kirchen jederzeit gern gesehen.

Neue touristische Wege gehen

Beide Routen bergen ein enormes Potenzial sowie Chancen in sich, die Ferienregion Oberlausitz / Dreiländereck auszubauen. Der touristischen Vermarktung kommt dabei naturgemäß eine entscheidende Rolle zu. Schon vor mehr als 10 Jahren wurde die Via Regia mit dem Titel „Kulturstraße des Europarates“ geehrt. Um sie weiter zu entwickeln, erarbeitet das Sächsische Landeskuratorium Ländlicher Raum e.V. (SLK) zusammen mit einheimischen Tourismusverbänden einzeln buchbare Touren. Immer mit dabei die Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO). Sie übernahm 2008 auch den Ausbau der Via Sacra von der Stadt Zittau. Der Name „Via Sacra“ ist übrigens beim Deutschen  Patent- und Markenamt namentlich geschützt. Dadurch kann die Straße in der Zukunft gleichfalls konkurrenzlos und in hoher Qualität erhalten sowie beworben werden. Wanderausstellungen, Infobroschüren bis hin zu Filmen unterstützen dieses Vorhaben. Beide, die Via Regia und Via Sacra, sollen bei den Menschen hoch im Kurs bleiben. Auf das sie auch weiterhin zur Verständigung der Völker und zum Zusammenwachsen Europas beitragen.     

Bilder:
Klosterruine Oybin, Dako 99

Görlitz Untermarkt, Autor